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Foto Amphitheater
Am Ziel stoßen wir jedoch auf neuen Kummer. Im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung zeigen sich die Griechen Blindenführhunden gegenüber wenig tolerant. Dementsprechend erfordert es gewisse Vorsicht bei meinen Öffentlichkeitsauftritten mit Vasco. In fremden Gegenden mit hoher Betriebsamkeit lasse ich ihn im Geschirr laufen, sodass seine Bedeutung und Aufgabe besser zu erkennen sind. Oftmals werden wir jedoch zu unserem Erschrecken von parkenden Autos, Baustellen, Abfallbergen und anderen Hindernissen dazu gezwungen, uns statt auf dem Gehweg auf der Straße zu bewegen und somit ein weiteres Risiko einzugehen. Insbesondere in Athen erwecken die rücksichtslosen Autofahrer den Eindruck, dass Fußgängern keinerlei Rechte zustehen. Trotzdem bereue ich den Ausflug in die Großstadt nicht, da sich die Akropolis als sehr beeindruckend erweist. Beim Anblick dieses vor 2500 Jahren geschaffenen Monuments wird man sich der Tatsache bewusst, was damalige Menschen mit ihren Mitteln zu bewältigen vermochten und man fühlt sich augenblicklich unbedeutender im großen Rad der Geschichte.

Foto Vasco
Etwas mehr Ruhe wird uns am Strand zuteil. Vasco fühlt sich an das Süßwasser von zuhause erinnert und probiert daher einen Schluck, der ihn so sehr abgeschreckt haben muss, dass er sich anschließend nicht einmal mehr ins Meer wagt. Statt mit meiner Freundin und mir gemeinsam eine kühle Erfrischung zu genießen, macht er es sich im Schatten bequem und bewacht unsere Habseligkeiten.

Rückblickend ziehe ich aus meiner Reise folgendes Fazit: Auch wenn es sicher auf die eine oder andere Art komfortabler gewesen wäre, ohne Vasco das Flugzeug zu besteigen, wollte ich meinen treuen Vierbeiner auf dieser Reise nicht missen. Gemeinsam haben wir neue Erfahrungen gemacht und Herausforderungen gemeistert, die anderen Mut machen sollen. Mauern können überwunden und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, solange wir es uns selbst - trotz unseres Handicaps - zutrauen. Natürlich erfordert dies auch großes Engagement, doch die Mühe zahlt sich aus.

Maria Frank und Kerstin Roling